Roadbookhalter

Roadbookhalter sind cool, sieht so nach Wüstendurchquerung aus :-)

Aber Spaß beiseite. Ich fahre ungern nach Karte, weil ich weder alle paar Abzweigungen anhalten und die Karte rausholen, noch ständig den Tankrucksack mitnehmen will.
Der Weg durch unbekanntes Terrain gestaltet sich allerdings schwierig, wenn man sich halt nicht auskennt und auch nicht auf die Karte schauen will. Deswegen mache ich mir seit einiger Zeit kleine Roadbooks, die mir bequem den Weg weisen.

Mir stellte sich das Problem, wohin mit den Teilen? Erst hab ich die Zettel zusammengefaltet und auf den Tank geklebt, aber das ist nicht das Wahre, denn da fliegen sie leicht weg und werden bei Regen sofort naß.
Abhilfe schafft hier ein Roadbookhalter, die es allerdings nur in immensen Größen gibt, Größen die IMO für den Alltagsgebrauch nicht sonderlich handlich sind. Der kleinste Halter, den es käuflich zu erwerben gibt ist ein Brocken von 90x120x40mm, und ganz billig sind die Dinger allesamt auch nicht.

Und weil ich so bastelfreudig bin, hab ich mir halt selbst einen gebaut.
Ich wollte so in etwa 100x60x20mm innen, da kann man dann bequem eine Tagestour unterbringen. Es paßt dann zwar kein klassisches Roadbook rein, aber da ich weder riesige Schriften, noch Piktogramme oder sonstige übertriebene Visualisierungen brauche, ist das genau die richtige Größe für ein selbstgeschriebenes Roadbook.

Schwierigster Punkt: Gehäuse.
Woher bekommt man ein passendes Gehäuse mit durchsichtigem Deckel?

Ich für meinen Fall bin im Baumarkt fündig geworden, eine Verpackung von Schraubhaken hatte mit 120x50x15mm ungefär meine gewünschte Größe und ist komplett durchsichtig. Ansonsten sah es eher schlecht aus, ein schönes festes Gehäuse in diesem Format ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.
Bei größeren Formaten sieht es da besser aus, da es jede Menge Kästen für Kleinteile gibt, die sehr gute und billige Gehäuse abgeben wenn man die Trennwände herausnimmt. Dann landet man allerdings wieder bei Größen von professionellen Haltern.

Der Prototyp, der bisher seinen Dienst bei mir mit Bravour verrichtet, sieht so aus:

Roadbookhalter Oberseite

Und von der Seite, falls es wen interessiert:
Roadbookhalter von der Seite


Kleine Bauanleitung:

Die Anleitung ist wirklich sehr kurz gehalten und völlig ohne irgendwelche Maße, da sich da jeder seine eigenen Gehäuse-, und dementsprechend passenden Rohr- und Schraubengrößen aussuchen kann und muß.

Da sicher jeder, der das nachbasteln will weiß wie ein Roadbookhalter auszusehen hat, werden hoffentlich auch die Löcher an den richtigen Stellen gebohrt.
Ich sags gleich, ich übernehme keine Verantwortung für falsche oder verkorkste Basteleien, auch nicht bei falsch verstandender Bauanleitung, jeder ist für seinen Murks selbst verantwortlich *veg*.

Teile:

Man schneidet sich zwei Rohre in die passende Länge, so daß sie entweder
a) genau in das Gehäuse passen,
oder
b) ein Stück breiter als das Gehäuse sind.

Dann kann man entweder
c) ein Gewinde in das Rohr schneiden
oder
d) einen genau passenden Dübel in ein Ende jedes Rohres stecken.

Dann bohrt man passend große Löcher an den gewünschten Stellen ins Gehäuse. Hat man b) gewählt, sollen die Rohre an einem Ende des Gehäuses anstehen, am anderen Ende durch die Löcher rausschauen. Bei a) sollen sie an beiden Seiten im Gehäuse anstehen.
Bei c) schraubt man nun die Rohre entweder von außen mit einer passenden Schraube leicht fest, oder man schraubt ein Stück Gewindestange in die Rohre und setzt von außen eine Mutter dagegen, in dem Fall würde ich eine selbstsichernde Mutter nehmen.
Bei d) schraubt man jedes Rohr von außen mit einer Holzschraube leicht fest, jetzt wird hoffentlich auch klar, warum der Dübel ziemlich genau passen sollte.
Die Schrauben, bzw. Muttern zieht man allerdings nur so fest an, daß die Rohre sich noch drehen lassen, aber einen leichten Widerstand bieten, damit sich die Rollen später nicht von alleine wieder aufwickeln.
Damit man später nachziehen kann, wenn es sich etwas lockern sollte, würde ich entweder die Version mit der Gewindestange und selbstsichernder Mutter, oder die Version mit Dübel und Holzschraube wählen. Die Version mit normaler Schraube scheint mir nicht so zuverlässig, weil sich die Schraube IMO recht schnell losvibriert, was bei den anderen Versionen nicht der Fall ist. Und dann muß man entweder ständig nachziehen, oder die Schraube einkleben und dann kann man nicht mehr nachziehen, wenn sich das Rohr zu leicht bewegen läßt.

An der anderen Seite schraubt man die Drehknöpfe dagegen, u.U. auch mit Gewindestange oder Schraube, je nachdem wie sie passen. Dementsprechend muß man auch wieder Gewinde schneiden oder Dübel verwenden.
Wenn man Variante b) gewählt hat, und sich die relativ teuren Knöpfe sparen will, kann man stattdessen auch genügend große Unterlegscheiben am Rohr mit einer Schraube anbringen, so wie man das auf den Bildern sehen kann, die Scheiben lassen sich genauso gut greifen.

So, das wars eigentlich auch schon.
Überall wo Rohre oder Schrauben/Muttern am Gehäuse anstehen, sollte man noch Scheiben unterlegen, damit sich die recht scharfen Ecken und Kanten der Rohre und Schrauben nicht ins Material einarbeiten und das Gehäuse zu schnell verschleissen lassen.
Um den Verschleiß des Gehäuses stark zu reduzieren, könnte man überall dort wo Rohre oder Schrauben durch das Gehäuse geführt werden, passende Hülsen einsetzen. Das artet dann allerdings richtig in Arbeit aus.
Die Schrauben sollte man allesamt mit Schraubensicherung in die Rohre einkleben, damit man später die Rohre mit dem Roadbook drauf dreht und nicht nur die Schrauben oder Knöpfe alleine, das wäre nicht Sinn der Sache.

Das ganze Ding muß jetzt nur noch am Motorrad befestigt werden, Platz und Befestigung hängt aber natürlich sehr stark vom Motorrad ab.
Ich habe den Roadbookhalter an meiner NX mit Resten eines Aluprofils an den beiden vorderen Schrauben der Lenkerklemmung angebracht.

Roadbookhalter Unterseite/Halterungen des Halters

So, jetzt nur noch Roadbook, Notizen, Kartenausschnitt, etc. mit etwas Klebeband auf den Rohren befestigen, aufrollen und schon kann es losgehen.


Als High-Tech-Variante könnte man auch noch ein paar LEDs als Beleuchtung einbauen, dann kann man den Halter auch nachts verwenden. Das sollte kein großer Umstand sein, weil LEDs und Widerstand nicht viel Platz wegnehmen.
Die absolute Hardcore-Version ist dann natürlich der motorgetriebene Halter, aber dann braucht es auch genügend Platz im Gehäuse.

Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, daß mein Miniatur-Roadbookhalter an Material weniger als DM 10,- gekostet hat und damit unschlagbar billig ist. Die Bauzeit betrug etwa eine Stunde, ich hab allerdings auch einiges etwas komplizierter und aufwendiger gestaltet, als ich es jetzt in der Anleitung beschrieben habe, mit eigenen Halterungen statt Halterung im Gehäuse, usw.
Ein neuerlicher Versuch sollte kaum mehr als eine halbe Stunde dauern.
Nachdem aber schon mein Prototyp sehr gut funktioniert, habe ich von der geplanten neuen, hier beschriebenen, vereinfachten Version abgesehen. Zumindest solange das jetzige Teil nicht auseinanderfällt.




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